Motivtipps

Hier lernen Sie Motive und Orte kennen, die einen Besuch wert sind und erhalten Einblicke in die Aufnahmetechniken.

Bei manchen Aufnahmen lernen Sie auch die „Gedanken“ hinter den Bildern kennen.

 

 

Strand auf Borkum – Oktober 2015

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Zwei Torwände am Strand von Borkum bei Ebbe. Die weite Sandfläche verleiht der Szenerie eine gewisse Trostlosigkeit. Die Aufnahme mit einem 24mm Weitwinkel unterstreicht die Weite zusätzlich. Gleichzeitig gibt der Aufnahmestandpunkt, hinter der zweiten Torwand und die Nutzung des Torlochs als Bildelement, der Fotografie einen Rahmen, ohne den das eigentliche Motiv, das kleine Tor, sich verlieren würde. Das Entferntere Tor liegt ungefähr im goldenen Schnitt. Die zwei Menschen, die im Hintergrund weglaufen, betonen die Verlassenheit des Platztes.

Manachmal lohnt es sich zu warten…. bis die beiden Personen den Strandabschnitt so weit durchquert hatten, bis Sie an dem Punkt der Aufnahme waren, hat es einige Minuten gedauert. Also nicht immer gleich den Auslöser drücken, sondern ruhig auch beobachten, was im Umfeld passiert um abzuschätzen, ob sich die Szene noch entwickeln wird.

Borkum im Herbst… auch eine Reise wert!

 

Olympiastadion München – August 2015

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Die transparente Dachkonstruktion des Olympia-stadion in München eignet sich an sonnigen Tagen dazu mit Licht und Schatten zu experimentieren und ganz bewusst Silhouettenauf-nahmen zu gestalten. Bei diesem Bild hat mich allerdings eher die Mächtigkeit der Stahlseile fasziniert, die das Dach tragen. Der Standpunkt wurde so gewählt, dass die Seile von der linken unteren Ecke nach rechts oben laufen. Das „T“ des Pfeilers sitzt in etwa im goldenen Schnitt und der Himmel wurde im nachhinein mit einem Verlaufsfilter in der rechten oberen Ecke noch etwas abgedunkelt. Das Auge läuft über die Stahlseile zum Dach und folgt in einem Bogen dem Dach wieder zurück zur den Stahlseilen. Übrigens noch ein Tipp am Rande. An diesem Tag hatte ich nur mein 50mm Objektiv dabei. Manchmal macht es auch Spaß sich ganz bewusst zu beschränken und zum Beispiel einen Tag lang nur mit einer Brennweite zu fotografieren.

 

 

Hochofen im Landschaftspark Duisburg – Juni 2015

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Um die Mächtigkeit dieser Maschine noch mehr zu betonen entschied ich mich für den tiefsten möglichen Kamerastundpunkt und ein Weitwinkelobjektiv. Also auf den Boden legen und sich freuen, dass man alte Klamotten an hat. Der Ausschnitt wurde so gewählt, dass der Himmel nicht in Erscheinung tritt, sondern die Technik den gesamten Raum einnimmt. Die Rohre im oberen linken Bereich wurden nachträglich aufgehellt, um das Auge noch mehr dort hin zu lenken. Am meisten Zeit hat es jedoch gekostet die Menschen aus dem Bild zu retuschieren ;). Der Landschaftspark Dusiburg ist auf jeden Fall eine Reise wert. Direkt auf dem Gelände gibt es auch eine Jugendherberge. Damit ist man vor Ort, wenn auch alle anderen noch gar nicht da oder schon wieder weg sind.

 

 

Peer in Livorno – Mai 2015

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Das alte Lagergebäude, das Peer und die Fähre ergeben ein nach unten weisendes Dreieck und bilden eine „einfache“ Struktur an der entlang das Auge wandern kann. Das Gelb der Fähre steht in farblichem Kontrast zu dem sonst eher etwas entsättigtem Bild. Die dunklen Wolken wurden im Nachhinein durch einen Grauverlauf zusätzlich betont und erhöhen nochmals die Kontrastwirkung des Gelbs. Sie laufen auf das alte Gebäude zu und lenken so den Betrachter zurück zum Ausgangspunkt. Der Aufnahmestandpunkt ist erhöht, wodurch ein nicht alltäglicher Blickwinkel entsteht. Bei der Entwicklung wurde die Körnigkeit des Bildes leicht versträrkt, um es ein wenig „rauer“ wirken zu lassen.

Die Szenerie einer Fähre, die den Hafen bald verlässt und das seit langem verlassene Gebäude bieten eine gewisse Doppeldeutigkeit. So unterstreicht das alte Gemäuer den bevorstehenden Abschied.

 

 

Gosausee in Oberösterreich – Mai 2015

Lyrimage_150429_unbenannt_00064-2Heute ein Beispiel für eine extreme Verfremdung. Grundsätzlich kann ein abgelassener Stausee sehr interessante Motive bieten. Wie hier im Gosausee dieses Feld aus abgesägten Bäumen. Die Schwierigkeit: Der Schlamm des Sees hat sich natürlich auch auf die gefluteten Bäumstümpfe gelegt. So hat der  getrocknete Schlamm eine extrem kontrastarme Szenerie geschaffen, die auch nach einigen Versuchen die Wurzeln heller und den Hintergrund dunkler zu ziehen kein befriedigendes Ergebnis gebracht hat.

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Eine Möglichkeit ist dann, das eigentlich gewünschte Kontrastverhältnis (Wurzel heller, Boden dunkler) umzudrehen und zusätzlich mit einer Teilsättigung zu arbeiten. Der Sättigung des Hintergrunds wurde mit einem Pinsel in Lightoom auf null gesetzt und gleichzeitig die Belichtung kräftig erhöht. Die Wurzeln im Vordergrund wurde in der ursprünglichen Farbe belassen und die Sättigung nach oben genommen. Das Ergbnise ist eine „Schneelandschaft“ mitten im Mai.

 

 

Halle an der Saale – Januar 2015

Halle-5 kleinHalle bietet auch in den Nebenstraßen interessante Ecken. Hier unter einer Brücke am Glauchaer Platz wo die „Schöne Neue Werbewelt“ auf die Trostlosigkeit so mancher Realität zu treffen scheint. Der Mond stand günstig, war jedoch leicht überstrahlt. In Lightroom wurde deshalb mit dem Korrekturpinsel die Belichtung des Mondes leicht reduziert so, dass dessen Struktur wieder sichtbar wurde. Ein Grauverlauf im oberen Bildbereich lässt den obere Teil der Brücke noch dunkler wirken und bildet so einen Rahmen für die beiden Straßenlaternen und den Mond. Das Auge wird, trotz der vielen Elemente am Boden, nicht unten gehalten, sondern wandert, der gedachten Diagonale von Werbewand und Laternen, in Richtung des Mondes. Als wolle es der vermeintlich irdischen Trostlosigkeit in eine bessere Welt entfliehen.

Für mich eine schönes Szene, die mit der Frage nach dem wahren Wert mancher unserer gesellschaftlichen Errungenschaften spielt. Vor allem auch weil dort früh morgens – außer der glücklichen Dame auf dem Plakat – kein Mensch zu sehen ist.